In Österreich erleben wir eine stille, aber dramatische Entwicklung im Jugendfußball: Unter dem Deckmantel der „Ausbildungsentschädigung“ werden Jahr für Jahr tausende Kinder und Jugendliche in ihrer sportlichen und persönlichen Entwicklung ausgebremst.
Was ursprünglich dazu gedacht war, die Jugendarbeit kleiner Vereine zu honorieren, ist längst zu einem Instrument geworden, das Machtstrukturen zementiert und soziale Ungleichheit verschärft. Immer häufiger fordern Vereine von Eltern Summen zwischen 1.000 und 10.880 Euro, wenn ein Kind – oft im Alter von 10 bis 15 Jahren – den Verein verlassen möchte. Dabei gibt es in vielen Fällen weder einen schriftlichen Vertrag, noch eine transparente Grundlage für diese Beträge.
Eltern, die sich diese Beträge nicht leisten können, sehen sich gezwungen zu kapitulieren. Ihre Kinder dürfen oft 6 bis 12 Monate nicht spielen, weil sie keine Freigabe erhalten oder der neue Verein die Entschädigung nicht zahlen kann oder will. Für viele Kinder bedeutet das: Kein Training, kein Team, keine Struktur – in einer Lebensphase, in der genau das von zentraler Bedeutung wäre.
Gerade im Alter zwischen 13 und 15 Jahren ist Sport nicht nur Bewegung, sondern auch Schutz. Schutz vor Einsamkeit, Schutz vor falschen Einflüssen, Schutz vor sozialem Abstieg. Wenn diese Kinder durch das System ausgegrenzt werden, stehen sie plötzlich auf der Straße – im wahrsten Sinne des Wortes. Dort warten nicht selten Gruppenzwang, riskante Freundschaften und im schlimmsten Fall Radikalisierung.
Die Ausbildungsentschädigung in ihrer derzeitigen Form ist kein Schutzinstrument, sondern ein Machtmittel. Sie gibt Vereinen das Gefühl, über Kinder und Familien verfügen zu können. Sie fördert Arroganz statt Fürsorge. Und sie widerspricht jedem pädagogischen und sportlichen Grundsatz.
Es ist höchste Zeit für ein Umdenken. Fußball muss verbinden – nicht trennen. Kein Kind sollte wegen Geld auf seine Leidenschaft verzichten müssen. Kein Verein sollte Kinder in ihrer Entwicklung blockieren dürfen. Und keine Familie sollte in finanzielle Not geraten, nur weil ihr Kind das Trikot wechseln will.
Es braucht klare Reformen:
- Altersgrenzen für Ausbildungsentschädigungen
- Eine Deckelung der Beträge
- Transparenz bei allen Forderungen
- Und vor allem: den ungehinderten Zugang zum Sport für jedes Kind.
Denn eines darf nie vergessen werden: Der Fußball gehört den Kindern – nicht den Funktionären.
